DEPOT SAMMLUNG BOIJMANS VAN BEUNINGEN | ROTTERDAM

MVRDV

PROJEKTUMFANG
15.000 m² BGF
FERTIGSTELLUNG
2020
LEISTUNGSBILD
Bauphysik, Building Envelope Engineering, Baukostenmanagement, Tragwerksplanung, Brandschutz
BESONDERHEITEN
Parametrisches Design der Fassadenelemente

BACKSTAGE IM MUSEUM

 

AUFTRAG
Museen bewahren Ihre Exponate, die nicht Teil einer aktuellen Ausstellung sind, in hochgesicherten Depots auf. Nicht selten fristet so der Großteil der Sammlung eine verborgene Existenz in streng abgeschirmten, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gebäuden. Das Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam geht nun mit seinem neuen Sammlungsgebäude als weltweit erstes Museum einen völlig anderen Weg. 145.000 Objekte der Sammlungen Museums Boijmans van Beuningen, der Stiftung de Verre Bergen und einer Reihe privater Kunstsammler werden permanent der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

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Der interessierte Kunstliebhaber muss allerdings nicht in ein bunkerartig gesichertes Gewölbe hinabsteigen, sondern wird durch ein sechs Stockwerke hohes, komplett verspiegeltes Bauwerk im Museumspark Rotterdam geführt, das jetzt schon das Zeug hat ein neues Wahrzeichen von Rotterdam zu werden.

 

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HERAUSFORDERUNG

Das Gebäude beherbergt ein großes Atrium, in dem der Besucherweg nach oben verläuft. Dies ist das Herzstück des runden Gebäudes mit sechs Stockwerken. Im offenen Atrium hängen freischwebende Treppen, welche die verschiedenen Stockwerke miteinander verbinden.

Von diesen Treppen aus erblickt der Besucher bereits eine Vielzahl von Exponaten, die dort im Atrium ausgestellt werden. Vom Empfangsraum im Erdgeschoss führt diese Zickzackroute durch das Gebäude zum grünen öffentlichen Dach mit Ausstellungsraum, Restaurant und Skulpturengarten. Der Park, das Dachrestaurant und der Skulpturengarten sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

 

Von dem Dach, das von einer Windschutzwand umgeben ist, hat das Publikum einen Panoramablick über Rotterdam. Die Idee des Parks war unter anderem, durch Baumbepflanzung einen Ausgleich für die Bäume zu schaffen, die dem Depot unten im Park weichen mussten.

 

© MVRDV

 

Neben der Form des Sammlungsgebäudes ist die komplett verspiegelte Fassade das prägende Element. Laut Architekt Winy Maas spiegelt sie nicht nur den Besucher, sondern ermöglicht einem aufgrund der Form auch den Park hinter sich zu betrachten oder sogar um die Ecke zu schauen. Die perfekte Reflektion der Fassade vergrößert optisch den umliegenden Park.

 

Die Form der 6.609 m² großen Fassade konnte vor der Produktion durch die Beschreibung in mathematischen Regeln genau festgelegt werden. Die genaue individuelle Form der 1.664 einzelnen Glasscheiben wurde in BIM-Modellen (Revit) festgehalten. Durch die Verknüpfung dieser Modelle mit parametrischen Formmodellen konnte eine Änderung der perfekten Form leicht angepasst werden.

 

Die Fassade des Depots geht an die Grenzen dessen, was gegenwärtig in diesem Bereich realisierbar ist. Sie ist wegweisend und weltweit einzigartig. ABT hat bewiesen, dass die spiegelnde Fassade technisch und finanziell machbar ist. ABT hat darüber hinaus das technische Design für die Glasfassade durchgeführt und MVRDV bei der Entwicklung des Gebäudes architektonisch unterstützt.

 

Mithilfe von Optimierungsmodellen wurde die bestmögliche technische Form der Fassade berechnet. Die Fassade besteht aus 64 Segmenten und 26 Reihen. Das bedeutet, dass das Projekt 26 einzigartige sphärisch gebogene Glaspaneele umfasst. Durch den engen Kontakt zu Fassadenbauern, Glaslieferanten und Glasbiegern wurde geprüft, ob das innovative Design auch realisierbar ist. Verschiedene Prototypen wurden hergestellt, um eine Platte mit der richtigen Glasfarbe und Reflexion zu erzeugen. Wie komplex dieser Prozess ist, wird an folgendem Detail deutlich: einige Fassadenelemente wurden mit einer geringeren Reflexion geplant, damit die Privatsphäre von Patienten eines nahegelegenen Krankenhauses nicht gestört wird.